Monatsspruch für Oktober: 

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn es ihr wohl geht, so geht es auch euch wohl.

(Jeremia 29,7)

Am Ausgang einer Kirche war das Schild zu lesen: Sie verlassen nicht den Gottesdienst, sondern betreten ihn ganz neu. Nach Martin Luther ist unser Beruf die Arbeitsstelle, in die Gott beruft. Ganz gleich, ob jemand das Essen kocht, Windeln wechselt oder eine Operation in einer Klinik durchführt. Wer seine von Gott geschenkten Gaben für den Nächsten einsetzt, folgt einer gott-gewollten Berufung. Geschieht eine Tätigkeit zum Wohle des Nächsten und zur Ehre Gottes, ereignet sich Gottesdienst im Alltag. Der Bibelvers aus Jeremia richtete sich ursprünglich an die nach Babylon verschleppten Juden. Sie lebten ohne Hoffnungsperspektive in der Fremde. Jeremia sagt den Juden eine 70jährige Exilzeit voraus. Sie sollen sich gerade in der Fremde mit ihrem ganzen Leben einbringen: Häuser bauen, Gärten pflanzen und Familien gründen. Und sie sollen damit rechnen, dass Gott sich auch in der Fremde finden lässt und ihnen Zukunft und Hoffnung schenkt. Daniel diente mit seinen Gaben in der Politik als einer der höchsten Ratgeber verschiedener Könige, Nehemia wurde Mundschenk des Königs und Esra diente als Schriftgelehrter. Jeder Jude diente mit seinen Gaben den Babyloniern, aber blieb dem Gott Israels treu, wie es Daniel und seine drei Freunde auf eindrückliche Weise vorlebten. Wir haben in unserer Gemeinde viele unterschiedliche Begabungen, mit denen anderen geholfen wird. Wir haben Ingenieure, damit Häuser gebaut werden und Brücken halten, Friseure, die andere schön machen, Polizisten, die für unsere Sicherheit sorgen, Hausfrauen, die wunderbar kochen und backen, Imker, die anderen das Leben versüßen, ehrenamtliche „Taxifahrer“ für Arzt- und Klinikbesuche, praktische Helfer bei Renovierungen und Umzügen, Menschen, die zuhören, Rat geben und für anderen beten können. Das ist nur eine kleine Auswahl. Jeder kann mit seinen Gaben anderen in dieser Stadt dienen: am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft und innerhalb seiner Familie. Überall können wir mit Wort und Tat Zeichen der Nächstenliebe setzen. Bei Beerdigungen freue ich mich immer wieder, wenn deutlich wird, dass Christen eine Segenspur hinterließen, wo sie gewirkt haben. Wir dürfen unserem Nächsten in der Stadt mit unseren Gaben dienen und auch für alle Anliegen beten. Für den Bürgermeister und die Stadtverordneten, für Kliniken, Schulen und natürlich für einzelne Menschen in ihrem Dienst. Wenn Menschen in einer Stadt Christen werden, dann verändern sich auch ihre sozialen Beziehungen. Jesus Christus hilft dabei, anderen zu vergeben, Konflikte schneller zu lösen, ehrlich zu sein, nicht auszugrenzen, das Wohl des Nächsten zu suchen und selber immer wieder die innere Balance zu finden. Menschen mit Handicaps können in einer Gemeinde einen Ort finden, wo sie so akzeptiert und geliebt werden wie sie sind. Damit kann auch Gemeinde Jesu ein Ort der Hoffnung und Zukunft sein. Andere nehmen oder nahmen Verantwortung in besonderen Diensten wahr: Hospizdienst, Ausländerbeirat, Holzkunst, Bürgermeister oder Schlichter in Buckow oder als Abgeordnete einer Partei. Jeder kann mit seinen Gaben zum Wohl der Stadt beitragen und für sie beten! Was für eine Perspektive!
Dierk Lohrengel