Monatsspruch für Juni

Wenn Paulus hier die Hebräer zur Gastfreundschaft auffordert, heißt das wohl, dass auch damals schon nicht jeder gleich gastfrei war. Klar, man möchte lieber unter sich sein, der Gast ist oft ein Störenfried, der unsere Ruhe durcheinanderbringt, nicht weiß, welche Sitten bei uns zu Hause gelten, vielleicht auch anderer Meinung ist als wir. Das gilt heute wie damals. Nun ist die Zeit sicherlich eine andere geworden, das Reisen ist heute völlig anders, sicher komfortabler, die Fahrt zu einer anderen Stadt dauert nicht Tage und Wochen, sondern vielleicht nur Stunden. Die Unterbringungsmöglichkeiten sind auch in großer Menge vorhanden für einen Gast. Die Herausforderungen sind heute eben anders, da ist es nicht der fremde staubbedeckte Pilger, der ein Obdach sucht, sondern die Schwester, der Bruder aus der Gemeinde, den man noch gar nicht so gut kennt. Da werden manchmal Quartiere gesucht für Künstler, die bei uns ein Konzert geben, oder für Kirchentage und so weiter. Gastfreundschaft ist eine Sache, die nicht jedem gleich so liegt, aber die man sicher lernen kann - das sage ich mir selbst auch...                                          Sich gegenseitig besuchen, fragen, wie es dem anderen geht, Quartier anbieten, aber auch bis hin zum politischen Engagement, Fremden in der Stadt ein gutes Zuhause zu bieten. Mit diesem Dienst tun wir etwas Gutes, auch wenn wir nicht wissen, wie genau sich das auf den anderen auswirkt. Vielleicht sind die Fremden ja Engel, vieleicht auch nur einfach bedürftige Menschen.                                                            Ihr wisst ja gar nicht, wie viel Gutes durch euer Tun und Reden in dieser Welt verbreitet wird! Ihr wisst ja gar nicht, wie viel im Verborgenen ge-schieht, welche Auswirkungen eure Liebe und euer Verständnis hervor-bringen! Ohne es zu ahnen, treten wir eine Welle der Liebe und des Friedens los, wenn wir Gutes tun!                                                                                Und wir müssen auch gar nicht alles wissen, um nicht eingebildet zu werden. Es reicht, einfach Gottes Wort zu folgen und ihm zu vertrauen, dass er aus unserem Tun etwas Gutes wachsen lässt.                                                 Thomas Holtz