Gedanken zum Monatsspruch November

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.
(Hiob 19,25)

Wenn Christen sagen: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“, dann bezeugen sie, dass Jesus Christus sie von ihrer Schuld und damit auch von ewiger Verdammnis erlöst hat. Das ABER lässt jedoch erahnen, dass Schwierigkeiten, Zweifel und Mutlosig-keit, Bitterkeit und Ängste den Le-bensweg des Gläubigen so beschwert haben, dass seine Hoffnung vielleicht nur noch ein winziger Funke war, bevor Gott in seinem Leben eingriff und ihn aus dieser grausigen Grube rettete. Um nun das obige Zitat in seiner ganzen Tiefe zu verstehen, ist es hilfreich, die Geschichte von Hiob im Alten Testa-ment anzusehen. Es sind 42 Kapitel! Die Geschichte beleuchtet das Leben des gottesfürchtigen Hiob aus ver-schiedenen Perspektiven. Aus Gottes Perspektive ist Hiob ein guter, gehorsamer Mensch, auf den er sich verlassen kann, an dem er seine Freude hat. Aus Satans Perspektive: „Kein Wunder, dass Hiob dir, Gott, gehorcht, er hat ja alles, was er zum Leben braucht, Familie und Besitz in überreichem Maß! Aber würde man ihm all das weg-nehmen, dann würde er auch nichts mehr mit dir zu tun haben wollen“. Er ist eifersüchtig auf die gute Beziehung, die Gott zu Hiob und Hiob zu Gott hat. Aus Sicht seiner Ehefrau, die ihm rät, Gott den Rücken zu kehren und sein Leben zu beenden, und aus Sicht seiner Freunde, die ihm seelsorgerlichen Beistand leisten, ihm aber letztlich nicht helfen können. Wir erfahren von einem Zwiegespräch zwischen Gott und dem Bösen, der ja immer schon von Anfang an der Angebetete sein wollte, er wollte sein wie Gott - und ist so zu dessen Gegen-spieler geworden. Gott lässt sich also hier auf den vorgeschlagenen Deal ein, weil er weiß, dass er sich auf Hiob verlassen kann. Und Hiob muss tatsächlich erleben, wie er seine Familie, seine Gesundheit und sein ganzes Vermögen Schlag auf Schlag verliert! Gott hatte dem Satan erlaubt, ihm alles wegzunehmen, bis auf das Leben. Die Vorstellung, dass Gott dem Satan so etwas erlaubt, ist nicht leicht zu verstehen und passt eigentlich nicht in unser Gottesbild des liebenden, barmherzigen Gottes. Aber er behält trotz allem und in allem die Fäden in der Hand! Hiobs Nöte sind von schier unbe-schreiblicher Härte, unerträglich und aussichtslos! Seine Freunde opfern viel Zeit, fragen nach den Ursachen für all die vermeintlichen Strafen Gottes. Darauf antwortet er zunächst mit dem bekannten Wort: “Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen, der Name des HERRN sei gelobt!“ Und doch bringen sie den Geplagten in schwere Zweifel, er schreit sein Elend heraus und klagt Gott an. Auch viele Psalmen zeugen davon, dass Menschen Gott anklagen. Gott hält das aus! Am Schluss von Psalm 73 kommt der Psalmdichter zu der Aus-sage: “Dennoch, und trotzdem, bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich an deiner rechten Hand!“ Auch Hiob klammert sich mit letzter Kraft an seinen Gott, dem er als einzigem zutraut, seine erbärmliche Notlage ändern zu können, ihn aus dieser irdischen Hölle zu befreien, zu erlösen. Bei 'Hoffnung für alle' heißt es: „Doch eins weiß ich: Mein Erlöser lebt!“ Obwohl dieser Satz aus tiefster Not heraus gesprochen wurde, ist er doch auch ein Bekenntnis, das ihn wieder stärker mit dem 'roten Faden' des Glaubens verbindet. Auch wenn die Freunde weiter Zweifel säen an Hiobs Gottesbild, können sie seine Sehnsucht nach Gott letztlich nicht zerstören. Aber der Kampf geht weiter, bis Gott ihm begegnet, ihm Fragen stellt, so dass Hiob IHN erkennen und dann auch erkennen kann: “Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen, doch nun hat mein (inneres) Auge dich gesehen! Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche “ Kapitel 42, Verse 5+6. Mit diesem Ende hätte der Satan nicht gerechnet! Seine Hoffnung hat sich nicht erfüllt! Den Deal mit Gott hat er verloren und damit auch Hiob, den er zu sich auf seine Seite ziehen wollte. Gott hat Hiob wieder alles erstattet, was er verloren hatte und ihn mit sehr großem Segen beschenkt. Unser Leben auf dieser Erde spielt sich in so vielen Facetten ab, die man nicht aufzählen kann, die man oft auch nicht verstehen oder erklären kann, die scheinbar mit Gott und unserem Glauben nicht vereinbar sind. So vieles verstehe ich nicht. Aber das eine weiß ich ganz genau: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Diese Gewissheit kann mir keiner rauben. Renate Walden